Volunteering, Business and Holidays in the Black Forest


Insekten
im Hochschwarzwald und Breisgau
  

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Blick nach Nordosten übers Markgräflerland zum Hochblauen am 20.11.2006 bei 20 Grad plus um 13 Uhr
Blick nach Nordosten übers Markgräflerland zum Hochblauen am 20.11.2006 bei 20 Grad plus um 13 Uhr

 

Samenkolben reif (unten) und unreif - dazwischen rechts der rote Malvenkäfer, die Ritterwanze

Die farbenprächtige Ritterwanze ist zum Insekt des Jahres gewählt worden. Dies teilte die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft gestern mit. Im Gegensatz zu den Raubwanzen, die bekanntlich "auf der Mauer, auf der Lauer" liegen, ist sie ein harmloser Vegetarier.

Ritterwanzen lieben Malven bzw. Stockrosen - deswegen nennt man sie auch Malvenkäfer

 

Hornissen als Untermieter im Baumhaus in Betzenhausen

Ein außergewöhnlich großer Hornissenstaat lebt derzeit in der Ricarda-Huch-Straße 2: Die schwarz-gelben Hautflügler haben sich im Garten der Familie Jehle, genauer gesagt im Baumhaus des zwölfjährigen Sohnes Bastian, einquartiert und dort ein rund 80 Zentimeter hohes Nest gebaut. Obwohl sich nur wenige Meter entfernt eine Grillstelle befindet, leben die Jehles seit Wochen in guter Nachbarschaft mit den geschützten Tieren, die ihnen zudem Fliegen und aggressivere Wespenarten vom Hals halten. "Im Juli fiel uns das Nest erstmals auf", sagt Doris Jehle. Die 56-jährige Hausfrau hat daraufhin im Internet recherchiert und ist dabei auf Informationen gestoßen, die sie zunächst überrascht haben – etwa, dass Hornissen eher scheu sind und nur zur Verteidigung stechen. "Es ist schon erstaunlich, wie wenig in der Allgemeinheit über Hornissen bekannt ist und wie viele Märchen da noch kursieren", meint Doris Jehle. Auch Hornissenberater Matthias Schmidt vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) betont, dass gängige Attribute wie "aggressiv" ins Reich der Fabeln gehörten: "Hornissen saugen vorwiegend Saft an Bäumen", erläutert der Naturschützer. Auch, dass sie viel giftiger seien als andere Wespen, sei eine Legende. Die Größe des Nestes – etwa 80 Zentimeter – hält der erfahrene Fachmann für sehr bemerkenswert: "Es ist sicherlich fünf Jahre her, dass ich zuletzt ein ähnlich großes Nest gesehen habe", betont Schmidt, der erläutert, dass sich die Hornissen ursprünglich in einem nicht weit entfernten Meisenkasten angesiedelt hatten: "Dieser wurde aber bald zu klein, weshalb die Tiere schließlich umgezogen sind", erklärt Schmidt. Und im Baumhaus der Familie Jehle hätten sie letztlich ausreichend Platz gefunden, um sich zu einem solch prächtigen Volk entwickeln zu können: "Im August könnten da durchaus zwischen 400 und 500 Tiere drin gewesen sein", wagt Schmidt eine vorsichtige Prognose. Familie Jehle indes hat den Entschluss gefasst, das Nest im Garten zu lassen und die Hornissen nicht etwa umzusiedeln – und profitiert nun ganz offensichtlich von dieser Entscheidung: "Auf der Terrasse stören uns deutlich weniger Wespen als in den Jahren zuvor", betont Familienvater Rolf Jehle, der seine neuen Untermieter für diese erfreuliche Entwicklung verantwortlich macht: "Hornissen vertilgen ja viele Insekten", erläutert der 58-jährige Arzt. Bei der Größe des Volkes dürften es gut und gerne ein halbes Kilogramm lästiger Fliegen und Co. sein, die täglich verspeist würden: "Diese eiweißreiche Nahrung wird vor allem zur Aufzucht der Brut benötigt", erklärt Hornissenfachmann Schmidt. Bastian Jehle bedauert zwar, dass er sein Baumhaus während der Sommerferien nicht nutzen konnte: "Das war schon schade", meint der Zwölfjährige. Quasi als Ausgleich dafür habe er aber eine neue Attraktion für seine Freunde gehabt: "Die wollten alle das Nest sehen", freut sich der Schüler – aus sicherer Entfernung, versteht sich, um die Tiere nicht unnötig zu reizen. Für nächstes Jahr sieht es besser aus, denn an Stellen, wo sich alte Nester befänden, würden im Folgejahr keine neuen mehr gebaut werden.

Bereits im Oktober wird mit dem Schlüpfen der neuen Königinnen das Leben im Hornissenstaat zu Ende gehen. Zumindest den Winter über werden die Jehles das Nest aber noch an seinem Platz belassen: "Alte Nester sind nämlich Überwinterungsquartiere für Florfliegen, die Blattläuse vertilgen und daher nützlich sind", erklärt Hornissenberater Matthias Schmidt.
Andreas Braun, 18.9.2009
www.hornissenschutz.de


 

 

Helm-Azurjungfer: Libelle am Naturlehrpfad Brunnengraben in Mengen

Ein neuer Bewohner kann am Naturlehrpfad Brunnengraben in Mengen begrüßt werden: die Helm-Azurjungfer. Diese seltene und in Europa besonders geschützte Libelle hat sich — wie erst vor wenigen Wochen entdeckt wurde — am Brunnengraben angesiedelt und wohnt nun in direkter Nachbarschaft mit anderen Insekten, Vögeln und Pflanzen, die das Gebiet am Ortsausgang von Mengen schon länger als ideale Heimat entdeckt haben.

Die Freude bei den Verantwortlichen über den Zuzug der Libelle ist natürlich groß. Schließlich zeigt sich durch die Ansiedelung von Tieren und Pflanzen, dass sich die Arbeit am Brunnengraben gelohnt hat und auch weiterhin lohnt. Vor etwas mehr als einem Jahr war der Brunnengraben eröffnet worden. Immer wieder fanden in dieser Zeit Aktionen statt: nicht nur engagierte Bürger wurden aktiv, pflanzten und mähten, sondern auch die Schüler der Alemannenschule waren eifrig bei der Sache, bauten Nistkästen und hängten sie entlang des Brunnengrabens auf. Erst vor wenigen Tagen war eine Gruppe freiwilliger Helfer um Leonhard Siegwolf wieder am Brunnengraben tätig. Im vergangenen März wurden fünf neue Lehrtafeln aufgestellt, die über die Flora und Fauna im Gebiet informieren. Wer also mehr über heimische Singvögel, Kopfweiden, Schmetterlinge, Streuobstwiesen — auf solch einer endet der Weg entlang des Grabens — , und Hecken wissen will, kann dies auf den Schildern nachlesen. Auch die Libelle ist schon auf einer Tafeln vermerkt. Holger Hunger, Biologe beim Freiburger Institut für Naturschutz und Landschaftsanalysen und Vertreter der Schutzgemeinschaft Libellen in Baden-Württemberg, hat die Helm-Azurjungfer zusammen mit ihrer Verwandten, der Blauflügel-Prachtlibelle, am Brunnengraben entdeckt. Seiner Meinung nach zeige diese Ansiedlung, wie gut sich der Brunnengraben aus naturschutzfachlicher Sicht entwickelt hat. "Die Helm-Azurjungfer war bisher nur aus dem Grabenabschnitt westlich von Mengen bekannt. Es zeigt sich, dass die Hoffnung berechtigt war, dass sie nach den verschiedenen Arbeiten auch in dieses Gewässer einwandern kann" , schreibt Hunger in einem Brief an die Verantwortlichen. Nach Hungers Aussage handelt es sich um viele Helm-Azurjungfern, die sich in Mengen angesiedelt haben: "Sie haben auch in die Wasserpflanzen im Graben ihre Eier abgelegt." Dieser Erfolg heißt aber für den Freundeskreis Brunnengraben nicht, sich zufrieden zurückzulehnen. Neue Projekte stehen schon auf dem Plan. So soll in Zusammenarbeit mit dem Botanischen Garten Freiburg eine Informationskarte über den Brunnengraben zusammengestellt werden. Außerdem soll etwa in der Mitte des Grabens ein rustikaler Holzsteg gebaut werden. Das Holz dafür liegt schon fertig zugesägt beim Bauhof in Schallstadt. Außerdem, sagt Leonhard Siegwolf, gibt es stets etwas zu tun — deshalb sind auch Helfer immer willkommen.
tab, 4.9.2008, BZ

 



Malven- oder Lindenwanze aus Südeuropa: Einwanderer auf sechs Beinen

Massenhaft besiedelt die hier bislang unbekannte Lindenwanze Bäume im Hof der Deutsch-Französischen Grundschule

Freiburg ist um eine Tierart reicher: Vor wenigen Tagen wurden im Stadtteil Haslach erstmals mehrere tausend, vermutlich sogar zehntausende Exemplare der in Südeuropa beheimateten Malven- oder Lindenwanze gesichtet. Nachdem die knapp fünf Millimeter großen Insekten bereits 2004 in Basel aufgetaucht waren, haben sie jetzt auch den Sprung über die Grenze geschafft: Zum ersten Mal ist diese Art damit in einer deutschen Großstadt in Massen aufgetreten. Die befallenen Bäume werden geschwächt; für Menschen sind die Tiere dagegen harmlos. Hektisches Treiben prägte vor kurzem das Pausengeschehen im Hof der Deutsch-Französischen Grundschule an der Belchenstraße: Unzählige schwarzbraune Sechsbeiner hatten die Stämme zweier Lindenbäume regelrecht besetzt und stellenweise in eine dunkle "Wolke" verwandelt. "Die Tiere sind mir schon früher aufgefallen" , freute sich die achtjährige Vanessa Pirc aus Gundelfingen über ihre Entdeckung und ihr gleichaltriger Klassenkamerad Pascal Müller aus dem Stadtteil Mooswald hatte auch spontan eine Idee, was es mit dieser ungewöhnlichen Versammlung auf sich haben könnte: "Die überwintern wohl hier" , meinte der Drittklässler.
BZ-Recherchen ergaben, dass es sich bei der zunächst unbekannten Insektenart um die südeuropäische Malven- oder Lindenwanze handelt, die mit wissenschaftlichem Namen "Oxycarenus lavaterae" heißt und sich in Städten vorwiegend an Linden tummelt — daher auch der Name. "Durch die Klimaerwärmung begünstigt konnte sich diese Art von ihrer Heimat aus nach Norden ausbreiten" , erklärt der Biologe Ottmar Fischer vom Forstzoologischen Institut der Universität Freiburg das plötzliche Auftreten der Insekten. Bereits vor einigen Jahren sei diese Wanzenart in der Schweiz gesichtet worden. Die Entdeckung der Haslacher Schulkinder belegt, dass die Lindenwanze nun auch in Freiburg angekommen ist. Dabei dürfte es sich um den ersten massenhaften Auftritt in einer deutschen Großstadt handeln. Die Tiere versammeln sich meist auf von der Sonne beschienenen Lindenstämmen, können aber auch Hauswände, Gartenzäune und Terrassen heimsuchen. In solchen Fällen werden sie mitunter lästig; gefährlich oder giftig sind sie nach Auskunft der Zoologen jedoch nicht. Obwohl die Lindenwanze Pflanzensaft aus den Bäumen saugt, sterben die Wirtsbäume nicht ab. Beobachtungen aus Südeuropa zeigen jedoch, dass Stadtbäume durch den massenhaften Befall so stark geschwächt werden können, dass sie danach anfälliger für andere Schädlinge und Baumkrankheiten werden.

 

Insektenglobalisierung
Die Klimaerwärmung und der Transport von Gütern sorgen dafür, dass immer mehr Insektenarten nach Freiburg kommen, die hier eigentlich nicht heimisch sind. Sie können Pflanzen schädigen oder andere Arten verdrängen. Bereits in den 80er Jahren gelangte die nordamerikanische Platanen-Netzwanze zu uns. Das nur rund vier Millimeter kleine Tier bereitet Gärtnern inzwischen ebenso Kopfzerbrechen wie die Kastanien-Miniermotte, die erstmals 1999 in der Stadt gesichtet wurde und für eine vorzeitige Verfärbung der Blätter sorgt. Seit zwei Jahren ist auch der Asiatische Marienkäfer in der Breisgaumetropole zu Hause; er macht dem einheimischen "Siebenpunkt" Konkurrenz und überwintert in Wohnungen. Vor einigen Monaten tauchte dann erstmals der südeuropäische Wacholder-Prachtkäfer im Westen der Stadt auf; seine Larven leben in Thuja-Hecken und können diese zum Absterben bringen. Die Lindenwanze ist so gesehen nur eine weiterere "Neubürgerin" .
Andreas Braun , 31.1.2008, www.badische-zeitung.de
 

Ameisenhügel im Wald bei Tote Mann am 5.8.2008    
Ameisenhügel im Wald bei Tote Mann am 5.8.2008    

 

Riesengrosses Wespennest in Siensbach

Foto: Silke Nitz

Gewaltig ist dieses Wespenenst in Siensbach: 60 mal 80 mal 40 Zentimeter misst das "Kunstwerk" unter dem Dach eines älteren Hauses. Im Sommer schwirrte es dort kräftig, so die Bewohner Martina und Reinhard Heizmann, die dennoch den Wespen ihren Lebensraum ließen. Nun im Winter lässt sich das Nest im Speicher des Brennerhofs gefahrlos fotografieren.
21.1.2008, BZ

 

Entomologen von Freak erforschen ehrenamtlich Käferfauna des Kaiserstuhls

Seit einigen Monaten läuft am Kaiserstuhl ein Forschungsprojekt, das ausschließlich auf ehrenamtlicher Arbeit basiert: Insektenkundler aus Freiburg und der Region haben sich zum Ziel gesetzt, die Käferwelt dieser einzigartigen Landschaft innerhalb der nächsten fünf Jahre möglichst vollständig zu erfassen. Neben der Erstellung eines Artenverzeichnisses sollen auch Veränderungen in der Zusammensetzung des Artenspektrums, etwa aufgrund des Klimawandels, erfasst und dokumentiert werden.

Dadurch werden wertvolle Hinweise für den Naturschutz gewonnen — beispielsweise, wenn es um die Bewertung von Schutzgebieten geht. Eine Gemeinschaftsexkursion führte die Käferkundler kürzlich nach Vogtsburg. "Am Kaiserstuhl gibt es ein breites Spektrum verschiedenster Lebensräume, deren Käferfauna zumeist nur unzureichend erforscht ist" , nennt Frank Baum als Hauptgrund dafür, warum man gerade den Kaiserstuhl als Untersuchungsgebiet ausgewählt hat. Der 65-jährige Biochemiker aus Staufen beschäftigt sich in seiner Freizeit schon seit Jahrzehnten mit der "Entomologie" , wie die Insektenkunde in der Fachsprache heißt. Er gehört zum "harten Kern" des "Freiburger Entomologischen Arbeitskreises" , kurz auch "Freak" genannt. Nun stammt das Wort "Freak" bekanntermaßen aus dem Englischen und bezeichnet Personen, die ihr Hobby in besonders intensiver Weise betreiben und mitunter gar zum Lebensinhalt machen. Große Leidenschaft für die oftmals bunten Käfer und ihre interessante Lebensweisen haben Baum und seine Kollegen allemal - das landläufige, eher negative Image von "Schmetterlingsjägern" trifft auf sie aber nicht zu: "Wir erheben Daten für den Naturschutz" , sagt der Biologe Klaus Hemmann aus Bötzingen. Dabei gehe es nicht darum, "Käfer wie Briefmarken zu sammeln" - mitgenommen würden Tiere nur dann, wenn es zur Artbestimmung unumgänglich sei: "Viele Käfer sind so winzig, dass man sie ausschließlich unterm Mikroskop bestimmen kann" , ergänzt Hemmann.
Jörg-Uwe Meineke vom Regierungspräsidium schätzt das ehrenamtliche Engagement der Freak-Mitglieder sehr: "Mit ihrem Fachwissen liefern sie uns wertvolle Hinweise, an die wir sonst kaum herankämen" , sagt der Leiter des Referats Naturschutz und Landschaftspflege. Gerade bei einer so umfangreichen Tiergruppe wie den Käfern — in Deutschland gibt es rund 6000 Arten — sei man auf freiwillige Helfer angewiesen. "Etwa, um Veränderungen in Schutzgebieten nachzuweisen" , so Meineke. "Zweieinhalb- bis dreitausend Arten könnten es schon werden" , schätzt Frank Baum. Oder anders formuliert: Knapp die Hälfte aller deutschlandweit bekannten Käfer könnte im Kaiserstuhl vorkommen, dessen Durchmesser bekanntlich nur rund 15 Kilometer misst. Die letzte umfassende Untersuchung geht auf den berühmten Freiburger Rechtsprofessor Erik Wolf zurück, der 1939 eine Liste mit rund 1900 Arten aus dem Kaiserstuhl veröffentlicht hatte. Vor Kurzem nahmen die Käferforscher die Gegend um den Schlossberg bei Vogtsburg-Achkarren unter die Lupe und stießen dabei innerhalb weniger Stunden auf eine große Artenfülle: "An schimmelnden Pflanzenteilen und in einem Komposthaufen waren wärmeliebende Platt- und Moderkäfer, die früher bei uns noch nicht vorkamen" , erläutert Wolfgang Schiller. Der Bankkaufmann gilt als Fachmann für "Winzlinge" : Die von ihm untersuchten Tiere sind meist nur ein bis zwei Millimeter groß. An Wegrändern fand der Biologe Wolfgang Pankow indes Pracht- und Buntkäfer, zum Beispiel den "Bienenwolf" . Der Name des rot-schwarz gemusterten, rund anderthalb Zentimeter großen Käfers weist darauf hin, dass sich seine Larven in Bienennestern entwickeln.
Die Daten sollen in den Wintermonaten zusammengetragen, einzelne Teilergebnisse vielleicht alsbald in Fachzeitschriften veröffentlicht werden: "Vom Frühjahr bis in den Herbst hinein sind wir vor allem draußen, im Winter geht’s verstärkt an die Auswertung" , erläutert Frank Baum.
Andreas Braun, 9.8.2007, BZ.

Freiburger Entomologischen Arbeitskreises - Freak
Dr. Frank Baum, Staufen
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschlands B.U.N.D.
Weiherweg 13, 79219 Staufen, eMail: fr.baum at gmx.de
Klaus Hemmann, Bötzingen.

 

Unbekannte Ritterwanze- Insekt des Jahres unter Schirmherrschaft von Minister Hauk

Die Ritterwanze, ein Kennern unter ihrem lateinischen Namen Lygaeus equestris wohlbekanntes Tier, ist unter hunderten von Wanzenarten in Deutschland zum Insekt des Jahres 2007 auserkoren worden. Es ist dies eine glückliche und überzeugende Wahl. Jeder Laie hat das Tierchen, das in flottem Rot-Schwarz daherkrabbelt, schon einmal gesehen. Manche ekeln sich vor ihm. Zu Unrecht. Denn bei der Ritterwanze handelt es sich um ein harmloses, vegetarisches Wesen, das keiner Fliege was zuleide tut. Gern lebt es, wie aus wohlunterrichteten Kreisen bekannt wurde, auf dem Schwalbenwurz und dem Adonisröschen. Wahrscheinlich in der löblichen Absicht - Sex sells! - , dem im Zweifel wanzenfernen Publikum die Ritterwanze menschlich näherzubringen, weist die Jury darauf hin, dass der Krabbler zu zwischenwanzigen Höchstleistungen imstande sei: Der Liebesakt dauere bis zu 24 Stunden. O, là là! Unter solchen Umstanden ist es kein Wunder, dass sich der baden-württembergische Naturschutzminister Peter Hauk ohne Umschweife bereitfand, die Schirmherrschaft für das Tier zu übernehmen. Hauk wird damit nun auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Überhaupt sind die Parallelen zwischen Landesministern und Hauks Schutzbefohlenen auffällig: Beide sind nützlich, beide werden von einem oft sachunkundigen Publikum misstrauisch beäugt, es gibt jeweils viele von ihnen und kaum jemand weiß, was sie machen. Das könnte sich nun ändern.
Niklas Anegger , 25.11.2006, Badische Zeitung

 

Links

Käfer und Käferfauna am Schönberg
http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/print.php?id=350

   

 

 

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