Schwarzwald für Ehrenamtliche, Geschäftige und Erholungssuchende - Volunteering, Business and Holidays in the Black Forest


Rheinfelden CH - Rheinfelden D
Städte am Hochrhein zwischen Lörrach und Bad Säckingen
 

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Rheinfelden, Beuggen, ....

Blick nach Osten von der Terrasse des Restaurants Schloss Beuggen  Blick nach Osten von der Terrasse des Restaurants Schloss Beuggen am 28.3.2007

 

Vergiftete Atmosphäre: Dioxinbelastete Erde, Altlasten, Deponie

Keiner hat es gesehen. Niemand hat es gerochen. Aber es ist da. Irgendwo ist es auf dieser Baustelle und auch sonst. Sagen jedenfalls die Fachleute. Auch sie haben es nicht gesehen, aber die Messgeräte haben es angezeigt. Es ist da und muss weg. Es ist nicht nur hier, wo Jochen Rösner derzeit drei Sechsfamilienhäuser bauen lässt. Wo immer sonst Rösner in dieser Stadt einen Bauplatz gefunden hätte, auch dort wäre er auf Dioxin gestoßen. Bei solchen Gelegenheiten werden die Menschen in Rheinfelden mit der Vergangenheit ihrer Stadt konfrontiert. Denn das gesamte Gebiet der Kernstadt ist mit Dioxinen belastet. Es ist das Erbe der industriellen Geschichte der Stadt, die mit dem Bau des ersten Flusswasserkraftwerkes vor gut einhundert Jahren entstanden ist, und der oft sehr stromintensiven Industriebetriebe, die sich neben diesem Kraftwerk angesiedelt haben. Die Stadt wuchs schneller, als ihr guttun konnte. Bis in die 20er Jahre wurden in Wege, Kies- und Baugruben auch Rückstände aus der Chloralkalie-Elektrolyse der Grießheim Elektron eingebaut. Arbeiter nahmen sie als Baumaterial mit nach Hause, die Schlacke wurde vergraben, wo ein Loch zu füllen war. Das Wort Dioxin kannte noch niemand. In den 60er, 70er und 80er Jahren verbreiteten Chemiebetriebe wie Dynamit Nobel in Rheinfelden ihr Gift in feinsten Dosen auf dem Luftweg. Dann kam das Unglück von Seveso und Dioxin wurde schlagartig als Problem erkannt. Ein schmerzhafter Prozess, denn Rheinfelden wurde auf wenig schmeichelhafte Weise berühmt. Inzwischen wurden die größten Altlasten, die alten Müllkippen, in einer aufwendigen Sanierung beseitigt. Was man bis heute nicht einfach aus der Welt schaffen konnte, waren die kleinen Partikel, die mit dem Staub über die ganze Stadt verteilt worden waren.
Es sind keine großen Mengen, die Werte schwanken zwischen 40 und 100 Nanogramm pro Kubikmeter Erde. 40 Milliardstel Gramm, das entspricht in etwa der Menge Alkohol, die man im Titisee findet, nachdem man einen Liter Schnaps hineingekippt hat. 100 Nanogramm ist der Grenzwert für die Belastung auf einem Kinderspielplatz, erst wenn sie darüber liegt, muss der Boden ausgetauscht werden. Was darunter liegt, gilt laut Gesetzgeber als unbedenklich. Aber Grenzwerte sind mehr oder weniger willkürlich festgelegt. Eine echte Schwelle zur Unbedenklichkeit gibt es aus medizinischer Sicht nicht. Zumal Dioxine sich im Fettgewebe des Körpers anreichern. Deshalb muss alles getan werden, die Ausbreitung von Dioxinen zu vermeiden. Solange die Erde im Garten liegt, ist sie einfach nur Erde, in der auch Gemüse angebaut werden darf. Wird sie in eine Schubkarre geschaufelt, verwandelt sich die Erde in Bauschutt oder Abfall und wird nach dem Abfallrecht beurteilt. Dort gelten fünf Nanogramm als Grenzwert, der Wert liegt weit unter dem für Kinderspielplätze zugelassenen. "Das sind die Tücken des Abfallrechts", sagt Landrat Walter Schneider. Weniger als fünf Nanogramm sind in Rheinfelden praktisch nirgendwo anzutreffen. Wo immer gebaut wird, muss der Erdaushub gesondert deponiert werden. "Das macht eine Doppelhaushälfte um etwa 5000 Euro teurer", rechnet Jochen Rösner vor. Bei der Bauverwaltung der 32 000-Einwohner-Stadt liegt eine Karte, auf der die belastete Zone markiert ist: In der Form eines Eis zieht sich eine dunkle Linie um die Kernstadt, das ist die Grenze, bis zu der alle Böden als belastet gelten. Hier setzte sich der Staub ab. Die Kerne der Ellipse bilden die Standorte der Chemiebetriebe am Rhein, die beiden Pole zeigen die vorherrschenden Windrichtungen an. Immer dem Tal folgend, auf- oder abwärts.

20 Kilometer weiter kennen sie auch eine bevorzugte Windrichtung, von der einen Senke im Berg zur anderen, quer übers Tal. Direkt unter dem einen Einschnitt liegt die Mülldeponie des Landkreises Lörrach. Und wenn der Wind ungünstig steht, zieht alles herunter nach Enkenstein am Eingang zum Kleinen Wiesental. Die Vorstellung, dass dioxinbelastete Erde dort, auf der Deponie Scheinberg, abgekippt wird, "macht mir Angst", sagt Reiner Strittmatter, der Ortsvorsteher des 250 Einwohner zählenden Schopfheimer Ortsteils. Zwischen Rheinfelden und Enkenstein, den beiden sehr ungleichen Orten, liegt geografisch ein Bergrücken, aber was sie trennt, ist ein tiefer Graben. Denn Rheinfelden und der für die Müllentsorgung zuständige Landkreis suchen dringend einen Platz, an dem sie belastetes Erdreich ablagern können, und sind dabei auf Scheinberg verfallen. Dort aber wollen die Menschen die Erde nicht haben. Vor allem nicht die Transporte und den Staub, den sie aufwirbeln. Im Tal ist sogar von Blockaden der Zufahrtsstraßen die Rede. Der Streit droht zu eskalieren. Bislang wurde die Erde auf eine stillgelegte Deponie in dem Rheinfelder Ortsteil Herten gebracht. Und zwar als Rekultivierungs- und Modelliermasse. "Das hat sich bewährt", sagt der Hertener Ortsvorsteher und SPD-Landtagsabgeordnete Alfred Winkler. Dioxine haften an Staubpartikel an und sind schlecht wasserlöslich, sie lassen sich also recht sicher einlagern. Nur ist die Kapazität dieser Deponie begrenzt, in Rheinfelden wird schließlich auch weiterhin gebaut. Demnächst soll ein großer Kreisverkehr angelegt werden, da wird viel Erde bewegt. Und Sanierungsarbeiten an der Kanalisation stehen an, auch da muss gegraben werden. Von den Wohn- und Geschäftshäusern nicht zu reden. Bis 2011 sollte die Deponiekapazität reichen, doch seit 2004 ist bekannt, dass bereits Anfang 2009 kein Platz mehr sein wird. Aber niemand kam auf die Idee, sich zu kümmern. "Wir gingen davon aus, dass wir das Material auf der Deponie Scheinberg ablagern", sagt Landrat Schneider. Und er fügt hinzu: "Niemand hat sich damals darüber beklagt." Als müssten meuternde Bürger die Verwaltung auf einen drohenden Engpass aufmerksam machen. Denn die Rechnung mit der Kreismülldeponie hat zwei Unbekannte: Erstens die Menschen in der Nähe. "Wir wollen die Dioxinerde nicht auf der Deponie", sagt Strittmatter unmissverständlich. Er zeigt von seinem Wohnzimmerfenster hinüber zu der knapp zwei Kilometer entfernt an einem Hang liegenden Müllkippe. "Wenn die Lastwagen dort die Erde abkippen, zieht der Staub hier rüber zu uns ins Tal." Das örtliche Ärztenetzwerk warnt, auch geringste Mengen Dioxin seien potenziell gefährlich. Strittmatter verweist darauf, dass Landwirtschaft und Tourismus die wirtschaftliche Basis dieser Region seien. Beides vertrage sich schlecht mit der Deponie. Zumal diese in den 70er Jahren mit einer halben Millionen Kubikmeter Fassungsvermögen angelegt, aber inzwischen fünfmal erweitert wurde. Denn Standorte sind rar und neue kaum zu finden. Also wird jetzt die sechste Erweiterung kommen. Dann wird die Deponie 4,5 Millionen Kubikmeter Müll aufnehmen, fast das Zehnfache der ursprünglichen Planung. Und sie wird so noch Jahrzehnte in Betrieb bleiben. 1995 habe man schriftlich versprochen, dass keine Dioxinerde ins Wiesental gebracht werde, erinnert der 45-jährige Industriemechaniker. Dass solche Zusagen häufig gebrochen wurden, hat die Menschen misstrauisch gemacht. "Wir werden nie richtig informiert." Aber vor allem eines will er nicht verstehen: "Wieso karrt man die Erde aus eine Industriestadt in einen Naturpark?" Denn das kleine Wiesental gehört zum Naturpark Südschwarzwald und der Landrat ist der Vorsitzende des Vereins. "Ich habe ihn aufgefordert, das eine oder das andere Amt niederzulegen." Der Landrat hält dagegen: "Wir leben in einer Industriegesellschaft und nicht im Idyll. Auch nicht im Kleinen Wiesental." Er könne nicht verstehen, "dass Erde, die in Rheinfelden offen rumliegt, gefährlich werden soll, wenn man sie auf eine Deponie bringt", sagt SPD-Mann Winkler. Die zweite Unbekannte der Rechnung betrifft die Kosten. Ist das Erdreich aus Rheinfelden tatsächlich so harmlos, dann ist das Ablagern im Wiesental unverhältnismäßig. Denn die dortige Deponie ist dafür zu hoch gerüstet. Dadurch kostet jeder Kubikmeter Müll rund 50 Euro Deponiegebühr – in Herten sind elf Euro. "Wenn ein Reihenhaus 25 000 Euro teurer wird als bisher, dann kann ich in Rheinfelden nicht mehr bauen", sagt Wohnbauunternehmer Rösner. Das sieht inzwischen auch Rheinfeldens Oberbürgermeister Eberhard Niethammer als Problem. "Es ist für uns existenziell notwendig, dass wir eine Lösung finden. Und es ist wichtig, dass wir eine preiswerte Lösung finden. Wir können sonst keine Baumaßnahmen mehr vornehmen in Rheinfelden." Eine Industriestadt, in der das Bauen zum Erliegen kommt, ist am Ende. "Wir suchen mit Nachdruck nach einem neuen Standort", beteuert der Landrat. Ein Planungsbüro ist bereits beauftragt, bis 2011 könnte ein neuer Standort gefunden sein. Was jetzt fehle, sei eine Übergangslösung. Am Mittwoch soll der Kreistag darüber befinden. Doch nun könnte sich als Bumerang erweisen, was die besorgten Wiesentäler als Argument am häufigsten ins Feld geführt haben: die Gefahr, die von Dioxin ausgeht. Je dramatischer die Folgen ausgemalt werden, desto schwerer wird es, einen neuen Standort in Rheinfelden zu finden. Denn auch dort leben Menschen. Das Dioxin war da und ist da, auch wenn keiner es je gesehen oder gerochen hat. Jetzt wissen die Rheinfelder wieder, mit welchem Risiko sie leben. Das politische Klima hat das Dioxin bereits vergiftet
3.11.2008, Franz Schmider, www.badische-zeitung.de

Monodeponie Dioxin

Standort Herten bis 2009: Fassungsvermögen 150 000 Kubikmeter
Geplante Deponie: 300 000 Kubikmeter für etwa 30 Jahre
Flächenverbrauch: Lösung Kiesgrube: etwa 2 Hektar (Größenordnung zwei Fußballfelder)
Lösung Steinbruch: 1 Hektar
Zeitschiene Realisierung: Jahr 2011 

Dioxine
Mit dem Begriff wird eine Gruppe von Stoffen aus der organischen Chemie bezeichnet. Es handelt sich um ringförmige Kohlenwasserstoffverbindungen, an die an verschiedenen Stellen zusätzlich Chlor angebunden ist. Es sind mehr als 200 solcher Verbindungen bekannt. Das bekannteste ist die Verbindung 2,3,7,8 TCDD, das sogenannte Sevesodioxin. Es trat 1976 bei einem Chemieunfall im italienischen Seveso aus und führte zu schweren Vergiftungen, sichtbar vor allem in Form der Chlorakne. Auch soll die Lebenserwartung von Opfern des Unfall rund 15 Jahre unter dem Landesdurchschnitt liegen. Nicht minder bekannt ist Dioxin als Bestandteil des Entlaubungsmittels Agent Orange, das im Vietnamkrieg eingesetzt wurde. Es soll verantwortlich sein für Missbildungen von Neugeborenen. Mengenangabe beziehen sich stets auf eine errechnete Giftigkeit der verschiedenen Verbindungen, ein sogenanntes Toxizitätsäquivalent. Dioxine sind ein Nebenprodukt chemischer Prozesse, vor allem aber fallen sie bei Verbrennungen an. Sie sind daher in der Umwelt längst allgegenwärtig. So finden sich im Inhalt eines Staubsaugerbeutels rund zwölf Nanogramm Dioxin pro Kubikmeter. 

Kommentar: Argumente statt Emotionen
Was die Bodenspezialisten  mit ihrer Machbarkeitsstudie an Erkenntnissen  zutage gebracht haben, bestärkt   die Hoffnung von OB Niethammer, dass sich eine kostengünstige Anschlusslösung für die Deponie Herten bald realisieren lässt und die Stadt und ihre Bürger  auch in Zukunft  zu ökologisch und finanziell tragbaren Konditionen mit den  Altlasten vor Ort fertig  werden. Ob sich mit dieser Perspektive die im Wiesental grassierende Panik vor Dioxin bannen lässt  oder die Aussicht auf  eine neue Deponie an noch unbenanntem  Standort gar in Rheinfelden Hysterie auslöst, ist damit aber  nicht beantwortet. Weil ein Standort, wie der Landrat meinte, nicht mehr absolutistisch verfügt werden kann, sondern Rechtsmittel die Entwicklung aufhalten können, lässt sich noch nicht von einem Durchbruch sprechen. Nach wie vor verbreitet  der Name Dioxin noch  Angst, so  dass zunächst emotionale Abwehrhaltung mit sachlichen Argumenten überwunden werden muss. Nicht ohne Grund haben Landrat und Oberbürgermeister appelliert, das Thema vernünftig zu diskutieren. Im Kreistag kommt es am Mittwoch nämlich zum Schwur, weil  als Zwischenlösung bis zur Eröffnung einer neuen Monodeponie  in Rheinfelden bis zu 10 000 Kubikmeter leicht belastete Erde  im Jahr auf dem Scheinberg gelagert werden soll.  Der Zeitpunkt für die Information über  Standortsuche und  Maßnahmenkatalog zur Problemlösung in Rheinfelden war bewusst gewählt, um Druck aus der Kontroverse zu nehmen. Dass die Bürger in einer Industriegesellschaft nicht in einer Idylle leben, wie der Landrat unterstrich, haben die Rheinfelder längst begriffen. Sie sind bisher mit der Dioxinproblematik sachlich umgegangen. Ein Grund, dass sich dies ändern könnte, findet sich nicht.  
3.11.2008, Ingrid Böhm-Jacob, BZ

 

 

 

Grenzüberschreitender Herbstwarenmarkt auf der Rheinbrücke

Markttrubel war angekündigt - und zwar der erste grenzüberschreitende Warenmarkt. Am Samstag und vor allem am Sonntag strömten die Schau- und Kauflustigen in großen Scharen über die Rheinbrücke ins schweizerische Nachbarstadtchen. 15 Händler von badischer Seite präsentierten auf der Rheinbrücke, beginnend beim Inseli, eine gute Auswahl an Nützlichem für das Alltagsleben. Da fehlte der selbst gebrannte Likör ebenso wenig wie die herzhafte Bauernwurst, das bunte Herbstblumengesteck, die Bonbon-Tante oder der Luftballon-Onkel. Die Warenpalette war reichhaltig und sowohl Kunden als auch Händler waren zufrieden. "Die Resonanz seitens der Händler ist sehr positiv, für das nächste Jahr liegen bereits nochmals so viele Anfragen deutsche Teilnehmer für den grenzüberschreitenden Warenmarkt vor" , freut sich Egon Kefer, den Organisator für die Marktstände aus Badisch Rheinfelden. Er sieht den Warenmarkt nicht als Konkurrenz zur zeitgleichen Veranstaltungen, da der Warenmarkt im Zähringerstädtchen eine lange Tradition hat. Mit dem Verein Kaufstadt Rheinfelden/Schweiz sieht er eine hervorragende Zusammenarbeit. "Es hat alles bestens geklappt und am dritten Adventswochenende, 13./14. Dezember 2008, wollen wir zum ersten gemeinsamen Adventszauber auf das Inseli einladen" .
pmü, 6.10.2008, www.badische-zeitung.de

 

 

 

Patiententag des Onkologischen Schwerpunktes am 27.9.

Mit Krebs ist nichts mehr, wie es vorher war. Betroffene wie Angehörige stehen nach der Diagnose vor einem Berg offener Fragen. Wie groß das Informationsbedürfnis ist, zeigte die Resonanz auf die Patiententage 2004 und 2006 des Onkologischen Schwerpunktes (OSP) Lörrach-Rheinfelden. Über den breiten Markt der Möglichkeiten eines Lebens mit Krebs orientiert nun auch die dritte Ausgabe am Samstag, 27. September, 9.30 bis 15.30 Uhr, im Burghof Lörrach.


Andreas Heuser, Vorsitzender des OSP, und Tilly Nothhelfer, ärztliche Koordinatorin des OPS, stellten gestern ein umfangreiches Informations- und Beratungsprogramm mit Vorträgen, Workshops und Ausstellungen rund um das Thema Krebs vor. Es gibt einen Überblick zu teilweise neuen Formen der Diagnose und Therapie, beleuchtet aber auch Themen, die im medizinischen Alltag nur am Rande vorkommen. "Wir bieten patientennahe, verständliche Information" , befand Holger Dieterich. Erstmals gewährt der Patiententag einen Einblick in die Pathologie. Ellen Obermann vom Unispital Basel, mit dem der OSP — bestehend aus Kreiskrankenhaus und St.-Elisabethen-Krankenhaus Lörrach sowie Frauenklinik Rheinfelden — eng zusammenarbeitet, zeigt, wie wichtig diese Disziplin, die der Patient sonst kaum zu Gesicht bekommt, für die Therapie ist. Neue Erkenntnisse in der Brustkrebstherapie und die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs erläutern Experten der Frauenklinik. Ein ganzer Vortragsblock widmet sich unterschiedlichen Formen der Therapie — operativ, medikamentös und mit Strahlen.

Multimodal lautet heute denn auch das Zauberwort in der Krebsheilkunde. Das heißt: Der Tumor wird als komplexes Geschehen begriffen, der von verschiedensten Seiten angegangen werden muss. Eine Kombination von Therapieformen, halte auch die Nebenwirkungen gering, erläuterte Tilly Nothhelfer. Zum multimodalen Konzept gehört neben der Medizin auch die Unterstützung. So wird beim Patiententag über das Sozialversicherungsrecht informiert, die traditionelle chinesische Medizin oder die Kunsttherapie vorgestellt. Eine ganze Reihe von Workshops erlaubt den Besuchern, das eine oder andere praktisch auszuprobieren. Ein breites Feld nimmt die Ernährungsberatung ein. Eine Ausstellung mit Ständen von Selbsthilfegruppen, Verbänden und Pflegediensten sowie Vertretern der Pharmaindustrie, die den Anlass sponsern, so dass kein Eintrittsgeld erhoben werden muss, runden das Angebot des Tages ab. Auf dessen politische Dimension wies Reiner Haag hin, ärztlicher Sprecher am Lörracher Kreiskrankenhaus. Der Patiententag mache einer breiten Öffentlichkeit deutlich, dass Krebskranke ein Recht auf Aufmerksamkeit und Zuwendung durch die Gesellschaft haben. Diese Patienten, so Haags Sorge, kämen im politischen Spannungsfeld zu kurz; die lebensbedrohliche Krankheit werde verdrängt. "Dabei dürfen wir nicht vergessen: Jeder kann der Nächste sein."
Daniel Gramespacher , 23.9.2008, www.badische-zeitung.de

Patiententag "Leben mit Krebs" : Samstag, 27. September, 9.30 bis 15.30 Uhr, Burghof Lörrach, Eintritt frei. Alle Angebote sind kostenlos; eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Infos zum OSP und das komplette Programm im Internet unter www.osp-l-r.de

 

 

Trottoirfest - Alkohol - Gewalt

Wusste nicht, was ich tun kann
Am Freitag musste ich leider mit Erschrecken feststellen, dass ich das erste Mal in meinem Leben hilflos war und nicht wusste, was ich noch tun kann. Gegen 23.45 Uhr begab ich mich in eine der Bars (diese ist unter 18 nicht zu betreten), um dort etwas zu trinken. Neben mir tauchten plötzlich eine alkoholisierte, schwangere, erwachsene Frau und ihr Mann auf. Das Schlimmste war jedoch: Sie hatten noch zwei kleine Kinder dabei, diese setzten sie auf die Theke und tranken munter weiter.
Nachdem mehrere Leute die Familie darauf aufmerksam machten, dass es wohl etwas zu laut und der Ort für so kleine Kinder ungeeignet sei, und sie nicht reagierte, versuchte auch ich dies. Leider auch ohne Reaktion. Also wand ich mich an die für das Fest zuständigen Security-Leute. Diese erklärten, sie könnten da nichts tun, sie seien dafür nicht zuständig, ich solle doch die Polizei ansprechen. Die nächste Streife, die ich traf (und nicht beschäftigt war), habe ich nun auch gefragt, ob sie da nichts tun könnten. Sie beantworteten mir die Frage schnell mit "Wir sind nicht zuständig, mehr als Sie getan haben kann man nicht machen." Nun möchte ich wissen: Ist das alles möglich? Ich glaube es einfach nicht, es kann doch nicht sein. Wäre nun etwas passiert, dann würden alle wieder sagen, sie haben nichts davon gewusst. Ich möchte so etwas nicht hinnehmen, da ich es leid bin wegzusehen, was kann ich in solchen Situationen tun? Muss wirklich immer erst etwas Schlimmes passieren?
BZ-Leserbrief vom 2.9.2008 von Nadja Osieka, Rheinfelden

Zerstörung der Eder-Skulptur
Die Ausstellung "Eder hoch drei" steht unter keinem guten Stern. Samstagnacht wurde seit Ausstellungsbeginn die vierte Plastik des Bildhauers Leonhard Eder zerstört. Diesmal handelte es sich um ein Werk aus Eisen, das vor der Christuskirche stand und Jesus Christus am Kreuz zeigt. Ob die Ausstellung weitergeht, ist fraglich. Der Schock ist groß. Der Künstler ist sich nun sicher, zumindest einen Teil der gefährdeten Skulpturen abzubauen. Dies bestätigt auch Oberbürgermeister Eberhard Niethammer, der zwar auf der einen Seite "vor solchen Leuten nicht kapitulieren will", aber auch zugibt, die bisherige Größe des Schadens und die Gemütslage von Leonhard Eder mit abwägen zu müssen. In den nächsten Tagen soll die weitere Vorgehensweise bezüglich des Fortgangs der Ausstellung besprochen werden. "Die Meinung von Herrn Eder ist entscheidend", sagte Niethammer. Wie ein Leser der Badischen Zeitung mitteilte, soll die Skulptur am Samstagnacht gegen 1 Uhr noch unbeschädigt gewesen sein. Am Sonntag früh habe er die Beschädigung entdeckt. Leonhard Eder bezeichnete den Schaden an der aus dem Jahr 1965 stammenden Plastik "Samenkorn" als irreparabel. Dabei hatte der Wehrer Kulturamtsleiter Reinhard Valenta bei der Vernissage der Ausstellung unter dem Eindruck der am Wochenende zuvor zerstörten Skulpturen noch gesagt: "Diese Werke aus Metall werden die Randalierer nicht zerstören können." Sie konnten doch. Und damit beginnt erneut die Suche nach den Tätern. Vonseiten der Polizei ist allerdings zu hören, dass noch keine Hinweise eingegangen sind. Gleichzeitig hat die Zerstörung noch eine religiöse Dimension bekommen. Claudia Kohleis-Rottmann, die Vorsitzende des Gemeinderats der Christusgemeinde, sagte: "Symbolischer kann es kaum sein." Zwar sieht sie in Rheinfelden kein Klima für antireligiöse Handlungen, aber besonders betroffen mache, dass das wichtigste und heiligste Symbol des christlichen Glaubens zerstört wurde. In einer Stellungnahme schrieb die evangelische Kirchengemeinde Rheinfelden: "Diese Tat trifft nicht nur alle, die Freude an der Eder’schen Kunst und ihrer Präsentation in Rheinfelden haben, sondern sie trifft uns als Christen in dem, was uns im Innersten heilig ist."

Kommentar: Dumme Gewalttäter
Mit dem neuesten Akt der Zerstörung wenden sich die Randalierer nicht mehr nur gegen die Kunst, sondern auch gegen die Religion. Ein Kruzifix aus Eisen wurde verbogen, der gekreuzigte Christus steht nicht mehr aufrecht, sondern weist auf die Pforte der Christuskirche. Dass bereits zum vierten Mal eine Skulptur von Leonhard Eder in der Innenstadt zerstört werden konnte, ohne dass jemand etwas bemerkt hat, ist ein Skandal. Bei den Taten ging es sicher nicht um einen persönlichen Angriff auf den Künstler. Es darf auch bezweifelt werden, ob die Täter ein antireligiöses Zeichen setzen wollten. Viel eher ist anzunehmen, dass die Zerstörung einfach absolut geistlos stattfand. Es wurde seit Beginn der Ausstellung viel über die Randale an Kunst im öffentlichen Raum gesprochen. Jetzt wird es Zeit, dass sich etwas tut. Dass alle Bürger die schönen Skulpturen verlieren sollen, weil ein paar vermutlich betrunkene Gewalttäter immer straflos davonkommen, macht wütend.
2.9.2008, Ralf H. Dorweiler, BZ

 

 

Die guten Fachkräfte werden von der Schweiz abgeworben

Alois Franke zu Rheinfelden schafft Zukunft

Stadtverwaltung und Volkshochschule veranstalten am Freitag, 12. September, ein Forum mit Entscheidungsträgern aus allen gesellschaftlichen Bereichen. Unter dem Motto: "Rheinfelden schafft Zukunft - Generationen in Bewegung" geht es um Fragen zur Stadtentwicklung mit Blick auf die "Herausforderung demografischer Wandel" . Die Badische Zeitung begleitet die Veranstaltung mit einer Interview-Serie. Ingrid Böhm-Jacob sprach mit dem Geschäftsführer der Aluminium Rheinfelden GmbH, Alois Franke, als Diskussionsteilnehmer über seine persönliche Perspektive.

BZ: In den nächsten Jahren wird die Bauleitplanung weiterentwickelt mit dem Anspruch "Rheinfelden schafft Zukunft" . Warum nehmen Sie am Forum teil?
Franke: Weil mir die Stadt am Herzen liegt. Ich wohne seit 1982 hier. Ich bin im Podium, in dem es um Wirtschaftsfragen geht, dabei. Denn wir haben ein Problem, dass uns die guten Fachkräfte von der Schweiz abgeworben werden. Schauen Sie sich nur einmal die Karawane der Pendler jeden Morgen auf der Autobahn an. Das ist eine Abstimmung mit den Füßen. Denn die Leute bekommen brutto in der Schweiz nicht mehr, aber netto aufgrund einer anderen Besteuerung. Wir müssten es hinbekommen, dass sie Brutto/Netto gleich viel erhalten.
BZ: Was versprechen Sie sich von der öffentlichen Diskussion, die jetzt beginnt?
Franke: Bewusstseinsbildung. Bei vielen Prozessen ist es erfahrungsgemäß so, dass das Problem erst bewusst werden muss.
BZ: Was wünschen Sie sich für die Stadt und ihre weitere Entwicklung?
Franke: Ein Blühen und Gedeihen, das mit einem Wachstum der Bevölkerung einhergeht. Dann nämlich entstehen automatisch auch Elemente in der Stadt auf kultureller Ebene. Die wächst mit der Bevölkerungszahl. Ich wünsche mir ein Hineinwachsen in das Angebot von Kultur und Bildung, das für eine große Kreisstadt angemessen ist.
ibö, 1.9.2008, BZ


 

Schweizer Komitee zur Wiedereröffnung der Rheinbrücke gibt auf

Ein halbes Jahr gehört die alte Rheinbrücke schon Fußgängern, Radfahrern und öffentlichem Nahverkehr. Der anfänglich in der Schweizer Nachbarstadt starke Protest gegen die autofreie Lösung ist mit der Zeit abgeebbt und wird nun ganz eingestellt. Das Komitee zur partiellen Wiedereröffnung hat dieser Tage den Mitstreitern auf badischer Seite mitgeteilt, dass es seine Aktivitäten einstellt, weil keine Aussicht auf Erfolg mehr bestehe.


Unter anderem wurde auch Gustav Fischer als Vorsitzender des Gewerbevereins davon unterrichtet. Er war erst Anfang August von einem Fernsehteam eines Basler Senders zum Thema auf der Brücke befragt worden. Auch Geschäftsleute in der Innenstadt wurden von dem Fernsehteam befragt, nachdem im Gewerbe nach Fischers Erfahrung große Klage über zum Teil dramatische Umsatzverluste geführt wird, weil die Schweizer Kunden ausbleiben. Fischer macht sich nachdem die Entwicklung weitergeht und es in der Gemeindeversammlung der schweizer Nachbarstadt für eine Wiedereröffnung für den Tagesverkehr keine Mehrheit gegeben habe, keine Illusionen mehr, dass sich noch Entscheidendes bewegen könnte und die vor einigen Jahren vereinbarte Befragung der Bevölkerung als politische Initiative noch erfolgt. Die Schweizer Brückenkämpfer jedenfalls haben wissen lassen, dass sie resignieren : "An der Gemeindeversammlung vom 18. Juni hat der Souverän die Verantwortung für die Schließung der alten Rheinbrücke mit deutlichem Mehr übernommen" , heißt es. Sie wollen sich auch nicht mehr mit der Vermutung auseinandersetzen, dass die "schweigende Mehrheit der Brückenöffner übergangen worden sei. Das Komitee, das die Interessen einer Petition vertreten habe, werde deshalb nicht mehr mit der " vereinbarten dritten Befragung" beschäftigen." Auch die "Bußenfalle", der wie das Komitee betont "etwas dilettantisch gesperrten Brücke" sei kein Thema mehr. ... Es werde auch in Zukunft Kontrollen geben, da sich die Brücke nicht unpassierbar machen lasse für Autos, sondern eine schnelle Verbindung für Rettungsfahrzeuge und den Stadtbus darstelle. Im Schnitt werden täglich noch mehrere Verstöße gegen da Fahrverbot beobachtet, die mit einem Bußgeld von 100 Franken geahndet werden.
ibö, 29.8.2008, BZ

 

 

Schloss Beuggen: Rhein steigt um 1.40 m - Ufersicherung - Erkenntnisse

Barocke Pracht verdeckt Geschichte - Ufersicherung am Rhein bringt neue archäologische Erkenntnis über Schloss Beuggen - Es gab massive Geländeaufschüttungen

Zur Beschaulichkeit auf Schloss Beuggen gesellt sich in diesen Wochen die Erfahrung reger Betriebsamkeit. Archäologische Mitarbeiter der Denkmalbehörde werfen prüfende Blicke auf das historische Gemäuer, seitdem auf der Baustelle zur Ufersicherung am Rhein gearbeitet wird — und sie werden fündig. Bei den Grabungen zwischen altem Pfarrhaus und Mühle machen sie Entdeckungen, die ein neues Licht auf die Anlage werfen, die im Lauf der Zeit unterschiedlichen Herren diente. Während des Barock wurde demnach das Gelände im großen Stil umgeformt mit der Folge, dass was bisher für Keller gehalten wurde, einst das erste Stockwerk in Mühle und Pfarrhaus war. Damit relativiert sich der Eindruck, dass die Anlage, deren Ursprünge im 13. Jahrhundert liegen, über ein Labyrinth zum Teil zweistöckiger Kellerbereiche verfügt. Mittelalterexperte Bertram Jenisch in Freiburg zieht aus der "massiven Aufschüttung" den Schluss, dass die Gebäudeteile zum Rheinufer vor den Geländeveränderungen" um bis zu zwei Meter höher als heute lagen. Teile der Baugeschichte sind somit neu zu betrachten. Die drei Archäologen vor Ort dokumentieren, was sie vorfinden. Danach wird wieder zugeschüttet. Wie sich die Anlage der evangelischen Landeskirche mit ihrem Haupthaus und verschiedenen Nebengebäuden den zahlreichen Besuchern zeigt, gehört sie für Jenisch zu "einer der schönsten Burganlagen der Region" . Ihr Anblick stellt aber nur eine jüngere Facette der jahrhundertealten Entwicklung dar. Als das Pfarrhaus und die Mühle zwischen Storchenturm und Schloss gebaut wurden, floss der Rhein um zwei Meter tiefer im Flussbett. Seit dem Bau der ersten Staustufe für das alte Kraftwerk vor 100 Jahren bieten die Anlage von Beuggen und der Rhein erst den bekannten Anblick. Aber auch der wird nicht bleiben. Die Zeichen an der Baustelle stehen unzweifelhaft auf Veränderung. Damit das Kulturdenkmal keinen Schaden nimmt, wenn 2010 der Rhein-Pegel für den Betrieb des neuen Wasserkraftwerks um 1,40 Meter angehoben wird, investiert die Energiedienst AG einen zweistelligen Millionenbetrag in Absprache mit der Landeskirche und dem Denkmalschutz in die Sicherung der Anlage. Der Wasserspiegel wird unweigerlich steigen, doch das Mauerwerk soll trocken bleiben. Deshalb werden im Abstand von wenigen Zentimetern nach dem Entfernen des Putzes innen und außen unzählige Injektionslöcher bis auf 2,71 Meter Höhe gebohrt. In sie wird ein spezieller Dichtputz aus Wasser und Beton gespritzt. Diese Maßnahme verhindert ein Aufsteigen von Nässe. Die Energiedienst AG, unter deren Regie die Arbeiten laufen, sichert ein Hochwasser ab mit einem Sekundenabfluss von 5400 Kubikmeter.
Projektleiter Frank Belzer, der ständig auf der Baustelle nach dem Rechten schaut, zeigt sich mit dem Fortgang der Sanierung zufrieden. Nachdem eine Fließgeschwindigkeit von bis zu 1700 Kubikmeter pro Sekunde bei Dauerregen vorhergesagt worden war, setzt er am Donnerstag noch einige Frachtboote in Gang, solange der Materialtransport noch technisch möglich ist. Die flachen Floße mit Kran transportieren mehrfach am Tag große Mengen Gestein, das aus der Abflussrinne zum Kraftwerksneubau geholt wird. Das Gwild-Material wird flusswärts angelandet und am Ufersaum verfüllt. Auch der Beton, der aus dem Baumaterial Kraftwerksbaustelle gewonnen wird, kommt direkt über den Rhein auf einem umweltfreundlichen Transportweg. Die Archäologen legen derweil erst mal eine Pause ein. Die Teilflächen rund ums Pfarrhaus sind nach dem Entfernen des Putzes untersucht. Anfang Dezember stellt die Tagungsstätte der evangelischen Landeskirche bis Ende März 2009 ihren Betrieb ein. Denn mit Baulärm ist zu rechnen, wenn das Mauerwerk ums Schloss im Hofbereich abgegraben wird. Im April und Mai bilden die Schütte (Kommunität) und das Teehaus den Abschluss der Sanierung. Schulbereich und Mühle sollen bis Ende der Sommerferien saniert sein. Bereits im Winter 2007/08 haben sich Archäologen in den Taucheranzug gezwängt und unter Wasser nach Zeugnissen der Baugeschichte gesucht. Die dentro-chronologischen Erkenntnisse wurden dokumentiert und ergänzen das wissenschaftliche Bild. Die einstige Umfassungsmauer aus dem 13. Jahrhundert bleibt aber weiterhin in der Versenkung des Flusslaufs. Die Denkmalpfleger des Regierungspräsidiums graben nur an den Stellen, an denen sie eine Gefährdung der Gebäudesubstanz durch die Bauarbeiten annehmen. Pelzer weist darauf hin, dass der Uferbereich, der noch aus nacktem Beton besteht, zum Abschluss mit Natursteinplatten aufgeschüttet wird, damit der künstliche Eingriff in den Ufersaum bald natürlich wirkt mit Grün und Schilf an der Böschung. Die Archäologen sind mit Bertram Jenisch zufrieden, wie sich die Energiedienst AG ins Zeug legt, damit die Schlossanlage Beuggen dem Rhein und seiner Naturgewalt in Zukunft Stand hält. Die Ufersicherung findet danach ihre Fortsetzung bei Aluminium und Evonik.
I
ngrid Böhm-Jacob, 18.8.2008, BZ

Tag des offenen Denkmals: 14. September mit Ausstellung und Führungen um 11, 13 und 16 Uhr zur Baugeschichte. Neue Erkenntnisse der Unterwasser-Archäologie werden dabei gezeigt.

Öffentliche Informationsveranastaltung des Denkmalschutzes am 14. Oktober, 19 Uhr im Saal der Kommunität mit Power-Point-Präsentation: Es werden die Ausgrabungsergebnisse und der Zwischenbericht vorgestellt.

Blick nach Osten am 14.8.2008: Ufer absichern bei Schloß Beuggen
Blick nach Osten am 14.8.2008: Ufer absichern bei Schloß Beuggen

 

 

Bisher kaum Initiativen für beide Rheinseiten

Einen weiteren Aspekt der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit greift ein Leser im Zusammenhang mit einem Erlebnisraum Hochrhein auf.

Angesichts der wachsenden Anzahl Übernachtungstouristen wollen Touristiker der Region mehr günstigere Betten anbieten oder — bei Überlastung — auf Bettenvorräte jenseits des Rheins "zurückgreifen" . Bisher waren kaum Initiativen mit Bezug beider Rheinseiten wahrnehmbar. Zum Beispiel in der Broschüre "Radwanderwege Rheinfelden und Umgebung mit der Strecke Rheinfelden - Laufenburg wird die ebenfalls sehr schöne Alternative auf der deutschen Rheinuferseite via Bad Säckingen, Wallbach, Schwörstadt gar nicht erwähnt. Außerdem wurden Vorschläge für einen gemeinsamen Auftritt der "Flussperlen" Laufenburg, Rheinfelden, Säckingen Waldshut und eventuell Kaiserstuhl als "Waldstätte am Hochrhein" bisher nicht berücksichtigt. Andere klingende Regionen wie die "Romantische Straße" oder die "Loire Schlösser" profitieren schon lange vor allem von der Vielfalt ihrer Sehenswürdigkeiten. Der gesamte Hochrhein mit seinem attraktiven Umland sowie der reichen historischen Bausubstanz in der Mitte Europas wäre für viele Übernachtungstouristen "eine Reise wert" , aber wahrscheinlich fehlt den meisten das Bewusstsein. Hoffentlich gelingt deshalb dem Projekt "Erlebnisraum Hochrhein" eine wirklich grenzüberschreitende Tourismusentwicklung jenseits lokaler Kaufkraft-Begehrlichkeiten.
BZ-Leserbrief vom 13.8.2008 von Jens Christian Feger, Rheinfelden/Schweiz

 

Brücke seit 12. Jahrhundert - Geschichtlicher Streifzug

Die Rheinfelder Brücke steht für eine bewegte Geschichte. Ihren technisch-kühlen Anblick in Beton gibt es erst seit knapp 100 Jahren. Diese letzte Konstruktion entstand als Ingenieursleistung in Verbindung mit der ETH Zürich. Sie hat immerhin zwei Weltkriege überstanden und darf als die Konstruktion gelten, die sich im Lauf von sieben Jahrhunderten am längsten gehalten hat.

Dass dieser Brückenschlag überhaupt erfolgte, geht auf Ereignisse zurück, die zu den Wechselfällen der Geschichte gehören. Manches erweist sich als zufällige Fügung und manches als echte Planung. Das kraftvoll anbrechende technische Zeitalter Ende des 19. Jahrhunderts war auf jeden Fall drauf und dran die Rheinbrücke dem Bau eines Flusswasser-Kraftwerks zu opfern. Das Vorgängermodell der aktuellen Konstruktion war deshalb bereits zum Abriss freigegeben. Und dann kam alles doch anders. Dass an dieser Stelle überhaupt eine Verbindung über den Rhein entstand, ist vermutlich der strategischen Bedeutung der Burg auf dem Stein (Inseli) zu verdanken. Die geologischen Vorteile durch zwei Muschelkalkköpfe und das aus dem Rhein aufsteigende Riff machten die Lage zur strategisch bedeutsamen Position und die wurde vom Grafen von Rheinfelden genutzt. Die vom Verein Haus Salmegg veröffentlichten Rheinfelder Geschichtsblätter befassen sich in der Edition von 1990 mit den Rheinfelder Brücken im Wandel der Zeit. Die eine Brücke zwischen den beiden Rheinfelden gibt es jedenfalls nicht. Vielmehr ist die heute lokalpolitisch so heftig diskutiert Rheinüberquerung als traditionsreicher Handelsweg das letzte Bauwerk in einer Folge von Brücken. Die bestanden über die längste Zeit aus Holz und erwiesen sich anfänglich auch statisch wenig stabil, waren somit nur auf Zeit erstellt. Der von Willy Oser verfasste Beitrag in den Geschichtsblättern verweist auf mehrere Hochwasser und Unwetter, die die Rheinüberquerung beschädigten oder gar wegrissen. Zum wohl ersten aber nicht letzten Mal wurde die Brücke beim Hochwasser von 1343 weggeschwemmt. Aber auch Kriege hinterließen ihre Spuren. Etwa der 30-jährige Krieg, der nach dem Durchmarsch der Soldaten mit einem Behelfsbrückenbau in Folge erwähnt ist. Bis zum Großbrand am 12. Juni 1987 bestanden die Konstruktionen von Ufer zu Ufer, am Inseli als Zwischenstation vorbei aus Holz, mal weniger mal mehr kunstfertig gezimmert. Die erste mit Holz gedeckte Brücke, die den Rhein nicht nur trockenen Fußes, sondern auch Hauptes queren ließ, entstand nach den Unterlagen 1609. Aber auch dieses Bauwerk sollte nicht alt werden. 1744 trampelten die französischen Truppen wenig friedlich auf ihr herum und 1796 ging sie in Folge der kriegerischen Turbulenzen ganz rheinab. Ganz neue Verhältnisse schuf danach die napoleonische Geschichtsschreibung mit dem Frieden von Lunéville. Der Rhein wurde zur Staatsgrenze, eine vormals regional gegliederte Raumschaft richtete sich damit neu aus. Doch die Brücke, die über Jahrhunderte nicht nur einen kurzen Weg von der einen auf die andere Seite des Rheins bot, sondern auch eine gute Einnahmequelle als Zollstation abgab, erwies sich auch unter den neuen Herrschaftsverhältnissen als unverzichtbar. Blasius Baldisch aus Laufenburg wird als Baumeister der nächsten Verbindung erwähnt, die 1805 entstand. Dabei handelt es sich sicher um ein meisterliches Werk. Doch auch dieses war nicht für die Ewigkeit gebaut. Mit dem Brand vom 12. Juni 1897 verschwand auch die Brückenromantik. Die wäre ohnehin dem Fortschritt geopfert worden. In den Rheinfelder Neujahrsblättern von 1995 nämlich ist nachzulesen, dass sie den ersten Plänen zum Bau des Kraftwerks im Weg stand. In den Geschichtsblättern schreibt Wolfgang Bocks: "Am 28. Juli 1890 informierte Zschokke im Rathaussaal zu Rheinfelden eine Kommission des Gemeinderats über das Kanalprojekt und den geplanten Abriss der Brücke. Nennenswerter Widerstand regte sich aber nicht". Das Kraftwerk entstand dann aber doch nicht am Adelberg, sondern am heutigen Standort weiter flussaufwärts und auf den schicksalsschweren Brückenbrand folgte die Ingenieurskonstruktion. Sie steht bis heute, obwohl es ganz anders hätte kommen können, nicht nur wegen mehrere Hochwasser. Der zweite Weltkrieg stoppte durch Verordnungen den Verkehr. Aber trotz Pass- und Visiumszwang gab es ein Durchkommen für Arbeiter, Angestellte und Direktoren. Die in den Pfeilern von den Nationalsozialisten installierten Sprengsätze hätten bei Kriegsende den Beton beinahe in die Luft gejagt. Nur das couragierte Eintreten gegen einen Wachmann des Volkssturms beim Einmarsch der Franzosen verhinderte dies vermutlich in letzter Sekunde.

Schade für die Verkehrsbrücke: Sperrung für Autos
Die Rheinbrücke zwischen dem badischen und Schweizer Rheinfelden erhält am 8. März 2008 neue Bedeutung. Das Bauwerk wird für Autos gesperrt. Mit Ausnahme von Taxi und Stadtbus darf der Rhein nur noch zu Fuß oder mit dem Fahrrad überquert werden. Ingrid Böhm-Jacob sprach mit dem Wirtschafts- und Sozialhistoriker Wolfgang Bocks, der den Arbeitskreis Geschichte im Verein Haus Salmegg in Rheinfelden leitet über seine Beziehung zur alten Rheinbrücke.
BZ: Was geht in Ihnen vor, wenn aufgrund der staatsvertraglichen Abmachung die Brückenschließung erfolgt?
Bocks: Ich finde es schade, weil die Brücke verbindet. Ich hätte mir eine kleine Lösung gewünscht.
BZ: Wie stellen Sie sich das vor?
Bocks: Eine Fahrberechtigung für Autos mit Lörracher Kennzeichen. Dies wäre auch im Interesse der Geschäftsverbindungen.
BZ: Was bedauern Sie am meisten, wenn die Brücke ihre bisherige Funktion verliert?
Bocks: Die Brücke verliert einen Großteil ihrer Tradition. Das ist schade. Sie ist nämlich als Verkehrsbrücke gebaut worden. Das ist etwas Lebendiges, das beide Städte verbindet. Es spricht für wenig historisches Bewusstsein, dass keine Bedarfsanalyse bei der Bevölkerung gemacht wurde, sondern eine bürokratische Lösung erfolgte. Von der Deutschen Seite aus gesehen, gibt es keinen Grund, die Brücke zu schließen. Die Rheinbrücke von 1912 wurde von Maillard gebaut. Der Rheinübergang gilt als ältester zwischen Konstanz und Straßburg.


Badische Zeitung Freiburg
Ingrid Böhm-Jacob , 28.2.2008, www.badische-zeitung.de

 

Neuer Kraftakt auf Schloss Beuggen

Erfolgreicher Übernachtungsbetrieb / Im Dezember gibt es eine Zwangspause, weil die Anlage vor dem Rhein gesichert werden muss

Geschäftsleute im Business-Anzug, Radfahrer auf Tour und ehrenamtliche Kirchenmusiker sind im historischen Gemäuer ebenso zu treffen wie Besucher der Uhren- und Schmuckwarenmesse in Basel. Das Marketing zeitigt Erfolge, freut sich Verwaltungsleiterin Petra Rieckmann: Schloss Beuggen spricht sich als Adresse zum Übernachten herum. In diesem Jahr wird die Tagungsstätte der evangelischen Landeskirche 25 Jahre alt und steht vor neuen Herausforderungen. Um die Bekanntheit von Schloss Beuggen zu steigern, wirbt die Einrichtung auf der Regio Messe Lörrach um die Gunst des Publikums. Mindestens 12 000 Übernachtungen für 2008 hat sich die Leiterin zum Ziel gesteckt. So viele Gäste nahmen im vergangenen Jahr Quartier und sorgten für einen wirtschaftlichen Betrieb. Dass Schloss Beuggen ein Ort der Besinnlichkeit und Kontemplation ist, wie es der Vorsitzende des Freundeskreises Karl-Wilhelm Frommeyer bezeichnet, kommt bei Organisationen und Betrieben gut an. Bereits zu Jahresanfang
ist der Terminkalender für die nächsten Monate ordentlich gefüllt. Um die Belegung der 54 Betten muss sich die Verwaltung während der Basler Uhren- und Schmuckmesse keine Gedanken mehr machen. Und wenn Unterricht im Haus der Kirchenmusik gegeben wird, ist das Schlossgebäude ebenfalls belebt. Nach Jahren der Indoor-Weiterbildung kehren die Unternehmen wieder an den geschichtsträchtigen Schauplatz am Rhein zurück für Seminare und Tagungen. Ganz unterschiedliche Gruppen geben sich die Klinke in die Hand. Am vergangenen Wochenende hielt das Bildungswerk Freiburg der Konrad-Adenauer-Stiftung ein Presseseminar ab. Demnächst wird die Pädagogische Hochschule Freiburg das 80-Betten-Haus ausbuchen. Auch die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, die zu den wiederkehrenden Gästen gehört, hat sich für drei Tage mit 100 Leuten im Frühjahr angesagt. Und immer neue Verbindungen bahnen sich an. Einen neuen Gästekreis verspricht sich die Verwaltungsleiterin von Gesprächen mit der Industrie- und Handelskammer, um im Managementbereich ein Frauenwirtschaftsforum an den historisch bedeutsamen Ort zu bringen. Seitdem die Tagungsstätte grundlegend saniert und im Erdgeschoss umgebaut wurde, bietet sie einen zeitgemäßen Rahmen für den Aufenthalt von Gruppen, die abseits des Alltagstrubels arbeiten wollen. Auch die Großveranstaltungen Töpfer- und Künstlermarkt (1. bis 4. Mai) und die Diga-Gartenmesse im Juli, die jeweils an die 20 000 Besucher in die Anlage ziehen, bringen im Nachklapp Anfragen, von denen sich Petra Rieckmann verspricht, dass sie Schloss Beuggen als einen Ort, der öffentlich zugänglich ist, bekanntmachen. Im Juni wird es deshalb wieder eine öffentliche Schlossführung geben, bei der hinter die Kulissen der im 13. Jahrhundert entstandenen Anlage geblickt werden kann. Der kommende Sonntag (17. Februar) bietet ebenfalls eine gute Gelegenheit zum Kennenlernen, wenn der Freundeskreis Schloss Beuggen bei einer szenischen Führung seinen neuen Schlossführer vorstellt.

Dennoch gehen auch 2008 die Konsolidierungsaufgaben weiter. Dabei geht es nicht um inhaltliche Fragen, die der Tagungsstätte eine wirtschaftliche Perspektive geben, sondern um den Erhalt der baulichen Substanz. Dafür muss Schloss Beuggen vom 3. Dezember an für gleich vier Monate schließen, denn die Bagger rücken an. In den vergangenen Monaten wurden die Untersuchungen mit der Denkmalpflege und der Energiedienst Holding so weit abgeschlossen, dass die Schutzarbeiten umgesetzt werden können. Ohne sie hieße es ab 2010 "Land unter" für das Ensemble, das in Anlehnung an das "himmlische Jerusalem" im Halbrund als "Himmel auf Erden" vom Ritterorden angelegt wurde. Der Rhein wird durch das neue Kraftwerk um 1,40 Meter höher gestaut, so dass nun in einem Kraftakt ein Teil der Keller, besonders aber die Schlossfundamente vor den Wassermassen zu sichern sind. Die logistische Herausforderung kann nur mit einem acht Meter tiefen Graben als Wall um die Anlage bewältigt werden. Er ermöglicht, dass sich die Grundmauern mit Folien und Injektionen vor dem Rhein abdichten lassen. Ganz tief liegende Keller werden aber wohl nicht vor dem Grundwasser zu retten sein, wohl aber der architektonische Bestand. Die Kosten für die Baumaßnahme trägt nach den Verträgen die Energiedienst Holding. Dazu gehört auch der Ausfall für den brachliegenden Wirtschaftsbetrieb bis zum 24. März.
Ingrid Böhm-Jacob, 12.2.2008, BZ

 

Nach 738 Tagen die letzte Mahnwache am Rathausplatz

Solidarität, die nicht alltäglich ist: Das Ausharren hat sich gelohnt - die Familie Morad darf in Deutschland bleiben. Nach der positiven Nachricht des Regierungspräsidiums Freiburg trafen sich nun rund 50 Menschen zur letzten täglichen Mahnwache auf dem Rheinfelder Rathausplatz. Der Kampf für die Rechte von Asylbewerbern und Menschen in Not soll dennoch weitergehen, nur die Schwerpunkte werden neu gesetzt.

738 Mal standen, mahnten und beteten die Teilnehmer der Mahnwache täglich über zwei Jahre lang mit bemerkenswerter Beharrlichkeit auf dem Rathausplatz — bei Regen, Schneetreiben und eisigem Wind. "Ich kann mit Sicherheit sagen, dass Sie nie hierher gekommen sind, um einen Rekord für das Guinness-Buch der Rekorde aufzustellen" , begann der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats St. Josef, Paul Schmidle, seine Ansprache als einer von mehreren Rednern. Was mit einer spontanen Protestaktion der Mitschüler von Schukri Morad im Dezember 2005 begonnen hatte, wandelte sich zu einer Solidaritätsbekundung vieler Bürger in Rheinfelden. Es sei "für die Annalen dieser Stadt einmalig" , was sich an bürgerlichen Engagement in diesen zwei Jahren abspielte, sagte Schmidle, der im Januar 2006 mit dem Pfarrgemeinderat beschloss, der Familie Morad das Kirchenasyl nicht zu verweigern.

Dass die Mahnwache noch zwei Jahre Bestand haben sollte, dafür war die nichtkirchliche Unterstützung unerlässlich, erklärte Schmidle. Dafür bedankte er sich beim Freundeskreis Asyl, "der die ununterbrochene Mahnwache überhaupt erst ermöglichte" , den Ehepaaren Hinderer, Bäder-Butschle und Henniger, der Familie Ritter, den Herren Möller, Popken, Ross und Gratwohl, den Frauen Schnitzer, Besier, der Gertrud-Luckner-Realschule sowie dem Georg-Büchner-Gymnasium. Einen großen Dank richtete Schmidle an Oberbürgermeister Eberhard Niethammer, Stadträtin Hannelore Nuss und Kreisrat Fritz Gerbel aus Grenzach-Wyhlen. Auch der Christusgemeinde dankte er für ihr 738-maliges Glockenläuten.
Die Mahnwachen sollen, wenn auch nicht mehr täglich, dennoch weitergeführt werden: Jeden ersten Dienstag im Monat wollen sich die Teilnehmer vom kommenden Jahr an auf dem Rathausplatz treffen. Die übrige Zeit will der Freundeskreis Asyl direkt mit Bewohnern des Asylbewerberheims sprechen, so Herwig Popken, "damit so etwas wie mit den Morads nicht noch einmal passiert."
Pascal Waldszus , 27.12.2007, www.badische-zeitung.de

 

Integrationsfirma Scala mit behindertengerechten Vergütungsmodell

Das St. Josefshaus im Rheinfelder Ortsteil Herten, Südbadens größte Behinderteneinrichtung mit rund 1000 Schützlingen, geht neue Wege bei der Integration Schwerbehinderter auf dem Arbeitsmarkt. Das St. Josefshaus hat dafür zusammen mit der ebenfalls in Herten ansässigen Gebäudereinigungsfirma Petrone ein neues Unternehmen gegründet. Wie das St. Josefshaus gehört auch die neue Firma "Scala Gebäudemanagement" zur Caritas-Familie, da das St. Josefshaus die Mehrheit hält.

Doch damit Scala überhaupt wettbewerbsfähig am Markt auftreten kann, wurde ein deutschlandweit einmaliges Vergütungsmodell ausgetüftelt, das von den AVR abweicht. Das sind die Richtlinien für Arbeitsverträge in Einrichtungen der Caritas. Das Modell wurde zwischenzeitlich von der Arbeitsrechtlichen Kommission des Deutschen Caritasverbandes abgesegnet, so dass die Scala zum 1. November ihr Geschäft mit zunächst zehn Mitarbeitern aufnehmen kann. Kern der Vergütungsstruktur ist eine Kombination aus Grundvergütung, betrieblicher Altersversorgung und Gewinnbeteiligung. Die Grundvergütung ist niedriger als in den AVR, sie liegt bei einer Vollzeitstelle bei 1286 Euro. Es gibt zwar Urlaubs- und Weihnachtsgeld, aber keine Zulagen. Wie in den Caritaseinrichtungen üblich, werden Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung bezahlt, absolut neu ist die Gewinnbeteiligung, deren Modalitäten das St. Josefshaus bis zum Juni 2008 der Arbeitsrechtlichen Kommission vorlegen muss. "Es ist klar, dass wir die AVR-Sätze nicht einfach übernehmen können, aber wir können uns auch nicht einfach von ihnen verabschieden" , sagt Joachim Trüby, der in Personalunion Leiter der Werkstätten des St. Josefshauses und zugleich einer von zwei Geschäftsführern der Integrationsfirma ist. Ausgeschlossen ist, dass Mitarbeiter aus bestehenden Arbeitsverhältnissen im Stammhaus in die Scala wechseln werden. Mit der Gründung der neuen Firma will das St. Josefshaus jungen Menschen mit Behinderung eine andere Perspektive bieten als die vergleichsweise abgeschirmten Werkstätten. Damit setzt die neue Firma Forderungen der Sozialgesetzgebung um. Denen zufolge sollen Schwerbehinderte in den Arbeitsmarkt integriert und ihre Persönlichkeit gefördert werden. Doch dass Menschen mit schwerer Behinderung so gefördert werden können, dass sie ohne Schwierigkeiten auf dem freien Arbeitsmarkt unterkommen, hält Trüby für utopisch: "Es ist bereits ein Erfolg, wenn wir uns diesem Ziel nähern" .
Die Integrationsfirma muss sich grundsätzlich aus den eigenen Umsätzen finanzieren, erhält aber zweierlei Unterstützung: Zum einen gibt es einen Investitionszuschuss für jeden beschäftigten Schwerbehinderten, wobei deren Zahl zwischen 25 und 50 Prozent der Belegschaft liegen muss. Zum anderen gibt es Geld vom Integrationsfachdienst, der damit nach individueller Prüfung die Minderleistung der Mitarbeiter im Vergleich zu Nichtbehinderten ausgleicht. Der Fachdienst redet auch bei der Auswahl der Mitarbeiter ein wichtiges Wort mit. Das Geschäftsfeld umfasst nicht nur Gebäudereinigung (außer Fenstern), sondern auch Winterdienst und die Pflege der Außenanlagen. Als erste Objekte wird sich die neue Firma um Gebäude des Josefshauses kümmern, die Geschäftsführung muss allerdings auch Aufträge auf dem Markt akquirieren.
27.10.2007, www.badische-zeitung.de 


Ein Hoch aufs Ehrenamt - Bürgerstiftung sucht Bewerber

In den Boom-Jahren, als jeder versuchte, die Ellenbogen zum eigenen Vorteil der Pole Position herauszudrücken, zählte der freiwillige Einsatz und Gemeinschaftsgeist nicht so viel. Doch die Zeiten haben sich gründlich geändert — auch weil der Staat an seine Leistungsgrenzen gestoßen ist. Plötzlich ist das Ehrenamt wieder viel wert, weil nämlich ohne Freiwillige gesellschaftliche Werte ganz schnell auf der Strecke bleiben und soziale Errungenschaften verloren gehen. Die Hilfe zur Selbsthilfe bewährt sich somit zunehmend wieder als Organisationsform. Dass dies die Gesellschaft voranbringt und die Gemeinschaft stärkt, hat die Bürgerstiftung erkannt. Mit ihrer Initiative für einen Bürgerpreis geht die noch junge gemeinnützige Organisation, für die Stifter und Mitglieder Zeit und Geld zum Wohl der Allgemeinheit verwenden, einen wichtigen Schritt voran. Der Bürgerpreis, der erstmals ausgelobt wird, setzt somit auch ein Zeichen zum Aufbruch, das mehr als nur symbolische Kraft besitzt. Es bleibt zu wünschen, dass das Ehrenamt mit dem Bürgerpreis ins Rampenlicht rückt und eine breite Bewegung auslöst, auch im Interesse der Arbeit der Bürgerstiftung für die Allgemeinheit.

Bürgerstiftung Rheinfelden zeichnet aus -  Bewerbungen bis 30.9.2007
Das ehrenamtliche Engagement als gesellschaftlicher Wert steht hoch im Kurs. Die Bürgerstiftung Rheinfelden nimmt dies zum Anlass, um den freiwilligen und unbezahlten Einsatz von Bürgern zugunsten eines Projekts oder einer gemeinnützigen Organisation — eben für die Allgemeinheit zu würdigen. Sie wird erstmals zum Jahresende einen Bürgerpreis vergeben.
Die besonderen Verdienste von Bürgern aus der Gesamtstadt sind gefragt. Dabei gilt das Interesse der Bürgerstiftung auch besonders den Unermüdlichen, die in der "zweiten Reihe" wertvolle Dienste für eine gute Sache leisten und ohne deren Einsatz Projekte nicht erfolgreich verlaufen. Bis zum 30. September läuft die Frist für Bewerbungen um den Bürgerpreis. Der Bürgerpreis besteht aus ein Kunstobjekt aus Glas, das dem Preisträger oder der Projektleitung öffentlich im Rahmen einer Feier überreicht wird. Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld von 2500 Euro verbunden. Dieses ist jedoch nicht einer einzelnen Person zugedacht, sondern wird im Interesse der Gemeinschaftsleistung der Organisation oder dem Projekt, für das der Ausgezeichnete sich eingesetzt hat, zugedacht als Anerkennung für die vorbildliche Arbeit. Wie der Vorsitzende der Bürgerstiftung Professor Hans Rudolf Henche und Vorstandsmitglied Wolfgang Bohn im Gespräch mit der Badischen Zeitung erklären, wird eine unabhängige Jury über die Vergabe des Bürgerpeises 2007 beraten und entscheiden. Vorgeschlagen werden kann jeder Bürger in Rheinfelden, der sich ehrenamtlich zum Wohl der Bürger der Stadt und Ortsteile auf besondere Weise einsetzt. Es können auch Tätigkeiten berücksichtigt werden, die die gesamte Lebensleistung würdigen. Auch eine Eigenkandidatur ist möglich oder die Nennung einer Organisation mit Projekt, das einen "wichtigen Beitrag zur Verbesserung der städtischen Lebensqualität" leistet. Der Bürgerstiftung kommt es darauf an, dass der Beitrag bürgerschaftlich bedeutend ist, Vorbildfunktion damit verbunden ist, ein nachprüfbarer Nutzen entsteht und als viertes Kriterium eine nachhaltige Wirkung erzielt wird. Vorschläge können unter Angabe der Person und Begründung mit Unterlagen der Bürgerstiftung zugesandt werden.
www.buergerstiftung-rheinfelden.de, Tel 07623-9511321,
Ingrid Böhm-Jacob, 31.7.2007

Schwarzwaldverein markiert Westweg am Dinkelberg mit 200 Schildern neu

Wandern macht Spaß, hält fit und schont die Umwelt! Dies wird sich morgen am Familienwandertag 1. Mai wieder bestätigen. Mancher Wanderfreund, der dann in Feld und Wald um Rheinfelden herum unterwegs ist, tangiert mitunter (noch ohne es zu wissen) eine der schönsten und längsten Routen im Schwarzwald: den Westweg Pforzheim-Basel, der nach Ausarbeitung einer neuen Wegführung durch den Schwarzwaldverein erstmals durch unsere malerische Gegend verläuft.

Die Route gabelt sich auf dem Feldberg in eine westliche und östliche Strecke. Die östliche Strecke des insgesamt 285 Kilometer langen Kultwanderweges führt kurz vor dem Ziel über den aussichtsreichen Dinkelberg ins Rheintal und nach Basel. Wie Christian Schulz, Vorsitzender des Schwarzwaldvereins Rheinfelden, erklärt, ist für die Zertifizierung des Westweges eine Änderung erforderlich gewesen, "um die Route noch attraktiver zu machen" . Dabei wollte man neben dem eigentlichen Fernwanderweg auch alle Ortschaften untereinander verbinden. Kriterien waren unter anderem, möglichst viele interessante Punkte wie Kleinode am Wege oder reizvolle Aussichtspunkte zu berücksichtigen und so wenig wie möglich Asphaltstrecken einzubeziehen. In den Ortsverbänden bildeten sich dazu zahlreiche Arbeitskreise, auch in Rheinfelden. Erste Planungen begannen bereits vor einigen Jahren. Die Arbeitsgruppe erarbeitete Vorschläge, wo auf Rheinfelder Gemarkung solche markanten Punkte sind und wie man die in das neue Wegenetz integrieren könne — der neue Eigenturm gehört dazu. Ansonsten bildeten die Rheinfelder Streifzüge eine ideale Grundlage. Im Bereich des Dinkelbergs ergab sich daraufhin ein völlig neues Wegenetz mit einer Länge von 70 Kilometern, welches in einer neu herausgebrachten SWV-Karte aufgeführt ist und vom Schwarzwaldverein Rheinfelden betreut wird. Das heißt: Wege müssen beschildert werden. Über 200 Schilder waren nötig. Es handelt sich um bundesweit einheitliche weiße Schilder, auf denen ein Fern-, Mittel- und Nahziel aufgeführt ist. Für Wegewart Dieter Rau und Wanderwart Wolfgang Jung vom Rheinfelder Ortsverband bedeutet dies derzeit jede Menge Arbeit. Zwar sind die Schilder noch nicht eingetroffen, aber zumindest die dafür vorgesehenen Stangen haben die beiden fleißigen Männer schon gesetzt. Vier Tage dauerte dieser besondere Arbeitseinsatz im Bereich Markhof-Rührberg-Sieben-Bannstein, Ottwangen, Adelhausen Nordschwaben, Minseln, Karsau, Nollinger Wald, wo sie mit Hilfe eines speziellen Bohrgerätes insgesamt 42 Stangen in den Boden versenkt haben. Ihr besonderer Dank und der des Vorsitzenden gilt dem städtischen Werkhof für die "sehr gute Unterstützung" , denn der hatte Traktor, jede Menge Material und Werkzeug zur Verfügung gestellt. Die restlichen Kosten in Höhe von zirka 3000 Euro bestreitet der SWV Rheinfelden unter anderem aus den Firmenspenden anlässlich der 100-Jahr-Feier. "Froh und dankbar" ist Vorsitzender Schulz, dass sich immer wieder "junge und jung gebliebene Mitglieder finden, die ihre Freizeit ehrenamtlich in den Dienst der Allgemeinheit stellen". Viele Naherholungssuchende seien sich nämlich oft gar nicht bewusst, wie viel Engagement der SWV für die Wegbeschilderung aufbringt. Dazu gehört auch ein jährliches Ablaufen der Schilder, um festzustellen, ob sie beschädigt, zugewachsen oder auf "unnatürliche Weise" abhanden gekommen sind.
Claudia Gempp , 30.4.2007, www.badische-zeitung.de

 

 

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